Die große Zeit des doppelten G
Die Guccis sind alter Kaufmannsadel aus dem Viertel San Miniato in Florenz.
Seit dem 15. Jahrhundert sollen sie hier ansässig sein. Aber
erst Guccio Gucci im 20. Jahrhundert macht den Namen berühmt:
1921 eröffnet er die "Valigeria Guccio Gucci" für
feinste Lederkoffer, 1938 eine Filiale in der eleganten Via Condotti
in Rom, 1953 ein Geschäft in New York.
Zu diesem Zeitpunkt leitet längst sein Sohn Aldo die Geschäfte.
Am 26. Mai 1905 geboren, hat Aldo alles, was er für die Nachfolge
des Patriarchen braucht: Er gilt als dynamisch, charismatisch und
charmant, oder wie es eine ehemalige Verkäuferin der Nobelmarke
ausdrückt: "Er war ein Schurke." Mit 22 Jahren heiratet
er die Prinzessin Irene von Griechenland. Mit ihr hat er drei Söhne.
Zusammen mit dem Handwerksmeister Capo Operaio entwirft Aldo Gucci die
Accessoires, die den Namen berühmt machen: das doppelte G als Firmenlogo
und die Handtasche mit dem Bambusgriff. Grace Kelly mit der Kelly Bag, Jackie
Kennedy und Sophia Loren machen die Tasche zum Kultobjekt.
Für die Herstellung einer
Gucci Handtasche
werden nur kostbare Materialien verwendet. Straußenhaut zum Beispiel, welche
der Hand ungemein schmeichelt. Auch das gelungene Design dieser Handtaschenkostbarkeiten
ist auffallend. Manche Handtaschen, welche in schöpferischer Phantasie entstanden
sind, werden nur in limitierter Auflage hergestellt
Als Firmengründer Guccio 1953 einem Herzinfarkt erliegt, beginnt der Stern des
Hauses zu sinken. Zwischen Aldo, seinen Brüdern und Söhnen entbrennt ein
Familienkrieg um das Erbe. Aldos Sohn Paolo zeigt den eigenen Vater schließlich
sogar wegen Steuerhinterziehung an und bringt ihn für einige Monate ins
Gefängnis. Am 22. Januar 1990 stirbt Aldo Gucci in Rom. Sein Neffe Maurizio
hält die Hälfte des Firmenbesitzes, zieht sich jedoch 1993 aus dem Vorstand
zurück. Zwei Jahre später wird er auf der Treppe vor seinem Büro
erschossen - von Killern, bestellt von seiner Ex-Frau. Damit endet die Geschichte
der Kaufmannsfamilie Gucci. Vom französischen Konzern PPR übernommen,
kämpft das Modehaus heute ums Überleben.
Quelle: WDR / 26.05.2005